Kapitalmarktbericht für das 3. Quartal 2026

Ein Spannungsfeld der Superlative entsteht, denn wir erleben gerade:
- rasante gesellschaftspolitische Veränderungen
- inmitten aggressiver geopolitischer Aktivitäten
- in einer Zeit fundamentaler technologischer Disruptionen
Diese Konzentration ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Entwicklung, wobei die große Herausforderung nun darin besteht, diese – kaum vergleichbare Situation – zu bewerten.
Starten wir mit einer Bestandsaufnahme, einer Symptombeschreibung:
Gesellschaftspolitisch wachsen Polarisierung und Vertrauensverlust, während sich parallel eine multipolare Welt neu ordnet. Ob dies eine schlimme Gemengelage oder eine Chance darstellt, muss sich noch zeigen.
Die Kapitalmärkte reagieren derzeit äußerst sensibel auf jede neue Inflationsprognose. Schon kleinste Entwicklungen im Nahost-Konflikt verändern die Stimmung, weil zunehmende Blockaden oder Lockerungen wichtiger Seewege die Energieversorgung und ebenso die Düngemittellieferungen zwischen Ost und West beeinflussen. Gleichzeitig macht Trumps unberechenbares Agieren – zusätzlich getrieben von innenpolitischem Druck – außenpolitische Kompromisse schwieriger. Das schlägt auf die gesamte Weltkonjunktur durch.
Eine nachhaltige geopolitische Entspannung ist weiterhin nicht in Sicht. Besonders die Lage rund um die Straße von Hormus, die Meerenge Bab al-Mandab und den Bosporus bleibt entscheidend für Energiepreise, Lieferketten und Inflation. Es bleibt zu hoffen, dass der jüngste USA-China-Gipfel hinter verschlossenen Türen Wege zu einer Normalisierung vorbereitet hat.
Die hartnäckigen Inflationsdaten rücken immer stärker in den Fokus der Notenbanken. Steigende Energie- und Rohstoffpreise erhöhen den Druck für weitere Zinserhöhungen. Die bisherigen Schritte (+0,25 % Fed, +0,50 % EZB in 2026) weisen die Richtung. Exemplarisch ist der Kurs des neuen US Federal Reserve-Präsidenten Kevin Warsh, der sich gegen Trumps Zinswunsch stellen musste.
Wirtschaftlich prägen die Nachrichten aus dem innovativen KI- und Quantensegment das Bild. Wie schon in den vergangenen Jahren übertreffen die Entwicklungssprünge dort regelmäßig die Prognosen und stützen sowohl die direkt Beteiligten als auch ihre Zulieferer.
Dieser technologische Wettlauf federt die globalen Unsicherheiten derzeit ab. Die großen Technologiekonzerne bauen ihre Vormachtstellung dank ihrer Größe, Kapitalkraft und Innovationskraft weiter aus – begünstigt durch eine lockere Regulatorik und die engen politisch-wirtschaftlichen Verflechtungen. Noch vor einigen Jahren hätte man über eine Zerschlagung solcher Konzerne diskutiert; heute werden sie nahezu ungebremst gefördert und politisch hofiert.
Quantencomputing, Künstliche Intelligenz, Robotik, Kernfusionstechnik sowie Wasserstoff-, Raumfahrt- und Verteidigungstechnologien gewinnen weiter an Bedeutung und bleiben zentrale Wachstumstreiber der Weltwirtschaft. Zugleich haben viele Technologiewerte bereits hohe Bewertungsniveaus erreicht, sodass eine Überhitzung nicht auszuschließen ist.
Asien entwickelt sich neben den USA zum zweiten globalen KI-Schwerpunkt und baut seine Position entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus – von der Chipfertigung über Rechenzentren bis zu KI-Anwendungen. Speziell Südostasien gewinnt dabei dank seiner jungen, motivierten Bevölkerung, dem attraktiven Lohnniveau und dem wachsenden innerasiatischen Handel zunehmend an Bedeutung.
Was leiten wir daraus für die verschiedenen Kapitalmarktsegmente ab?
Die Aktienmärkte bleiben trotz geld- und konjunkturpolitischer Risiken stabil auf hohem Niveau; die wesentliche Unterstützung stammt von der unvermindert hohen und weiter steigenden Geldmenge, den expansiv agierenden Notenbanken sowie den staatlichen Investitionen, die zusammen die altbekannte Droge „Liquidität“ liefern.
Anstehende Q3-Unternehmenszahlen – erwartet ab der zweiten Oktoberwoche – werden wichtige Signale für den aktuell sehr offensiven Investitionsmarkt liefern.
Wir sehen das Segment leicht positiv, mit Fokussierung auf die großen Technologiewerte sowie auf substanzstarke Titel mit Preissetzungsmacht. Asien bietet strukturelle Vorteile; China und Indien haben nach Schwächephasen Aufholpotenzial. Kurzfristig bestehen jedoch Überhitzungsrisiken durch hohe Bewertungen, rege IPO-Aktivitäten und unsichere Zinsentwicklungen.
- Die Rentenmärkte stehen im angespannten Fokus. Fiskalische (haushaltspolitische) Risiken steigen (u.a. Frankreich) und könnten bei weiteren Zinsanstiegen Ansteckungseffekte ausgehend vom Bondmarkt auslösen. Wir bevorzugen eine neutrale Ausrichtung. Kurze Laufzeiten mit Fokussierung auf Unternehmensanleihen sind aus Euro-Sicht sinnvoll für die Liquiditätssteuerung. In längere Laufzeiten sollte wegen des Zinsänderungsrisikos zurückhaltend investiert werden.
Bei den Edelmetallen bleibt der langfristige Aufwärtstrend intakt. Mehrere Zentralbanken nutzten die jüngste Korrektur gezielt zum weiteren Ausbau ihrer Goldreserven – ein Beleg für die strategische Bedeutung von Gold als Reserve- und Diversifikationsinstrument. Sollten große Rohstoffexporteure und -importeure ihre Goldbestände weiter aufbauen, während sich die USA in Verschuldung und Inflation verlieren, wären geldpolitische Verschiebungen langfristig nicht auszuschließen und der PetroDollar-Standard würde angreifbarer.
Die Energiepreise bleiben zunächst geopolitisch beeinflusst auf hohem Niveau. Noch wirken Lagerbestände preisdämpfend, diese dürften sich aber allmählich abbauen.
„Robustheit“ und „Performance“ waren Synonyme für die Entwicklung unserer Vermögensverwaltungen im bisherigen Jahresverlauf. Beispielhaft zeigt dies unsere offensive Verwaltungsvariante „Chance – Fonds/ETFs“ mit 11,89 % positiver Wertentwicklung eindrucksvoll auf.
Wir werden weiterhin mit Engagement, Weitsicht und hohem Verantwortungsbewusstsein als verlässlicher Partner an Ihrer Seite stehen. Vielen Dank für Ihr Vertrauen.
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