2. April 2026

Kapitalmarktbericht für das 1. Quartal 2026

Das 1. Quartal 2026 begann mit der Maduro Entführung der USA am 03. Januar und endete mit der Eskalation im IRAN-Konflikt. Parallel forciert der US-Präsident die Konfrontation mit Kuba und der Ukraine-Krieg wird ohne erkennbare Verhandlungsfortschritte weitergeführt. In atemberaubender Geschwindigkeit werden die internationalen Konflikte ausgeweitet. Dies alles geschieht im Schatten einer anhaltenden Zolldebatte und der sich daraus ergebenden Planungsunsicherheiten.  

In dieser Gemengelage ist eine solide Planungssicherheit für Unternehmen weiterhin nicht gegeben. Opportunistisch agierende Unternehmen, deren Branchen in der Gunst des US-Präsidenten stehen, stellen dabei die Ausnahme dar und tragen Börsenindizes sowie Wirtschaftsdaten. In der Breite jedoch bröckelt die Substanz. Investitionszurückhaltung ist spürbar. Vergleichbar mit einem Zahnradgetriebe floriert die globale Wirtschaft aber als System, dem beim Herausbrechen einzelner Zahnräder Funktionalität und damit Leistung verloren geht.

Eine daraus ableitbare Folge ist, dass aus dem großen, komplexen, zusammenhängenden Zahnradgetriebe (Globalisierung), einzelne Segmente komplett separiert und unabhängig konstruiert werden (Regionalisierung). Das bedeutet keine grundsätzliche Abkehr von der Globalisierung, aber eine partielle regionale Rückbesinnung zur Erhöhung der Resilienz. Die USA werden trotzdem zweifelsfrei wichtigster Technologieinkubator bleiben und Asien größter Produktionsstandort, jedoch nicht mehr in der bisherigen Absolutheit.

Eine Investment-Konsequenz hieraus haben wir bereits länger proklamiert – nämlich die Notwendigkeit zur stärkeren Diversifikation anstatt der gängigen Konzentration durch an aktuelle Marktkapitalisierungen angelehnte Portfoliomodelle. Als Beispiel nennen wir zwei bekannte Indizes, wie den MSCI World (mit über 70% US-Gewichtung) oder den MSCI Asia ex Japan (Konzentration mit ca. 60% auf China, Taiwan, Hongkong), die damit die bisherige Entwicklung, aber nicht unbedingt die künftige abbilden. Regionale Diversifikation ist daher wichtiger denn je, ebenso die Vermeidung von Konzentrationsrisiken bei Unternehmensbeteiligungen, denn der aktuelle, globale Anpassungsprozess wird zwangsläufig zu Verwerfungen, aber auch zu neuen Opportunitäten führen. Warum beispielsweise sollte nicht gar die so gern abgeschrieben EU einer der Gewinner werden, wenn sie sich der Stärke Ihrer 450 Mio. Einwohner, ihrer Innovationskraft und ihrer starken Unternehmen bewusster wird. Nur müssen wir wieder stärker selbst anpacken, als bequem in andere Regionen auszulagern.  

Solche Prozesse – noch dazu parallel zu den Rohstoffkonflikten – werden mit einer erhöhten Inflation einhergehen. Wie stark diese ausfällt und entsprechend über höhere Zinsen die Wirtschaft belastet, ist noch nicht ausgemacht. Ein wesentlicher Einflussfaktor für das künftige Potentialwachstum wird es aber sein.

Zwei Termine sollten Anleger im Blick behalten

Am 11. Juni 2026 beginnt die Fußballweltmeisterschaft in den USA/Kanada/Mexiko. Inmitten dieses Events, am 04. Juli 2026 feiern die USA das 250-jährige Jubiläum Ihrer Unabhängigkeit. Donald Trump und seiner Administration sollte viel daran gelegen sein, hier positiv in die Geschichtsbücher einzugehen und diesen Höhepunkt der Präsidentschaft auszukosten. Hierfür braucht er mindestens ein „Ruhen“ aller Konflikte. Entsprechend könnten seine Aktivitäten in den nächsten 2 Monaten motiviert sein.

Am 03. November 2026 finden die amerikanischen Zwischenwahlen statt. Es entscheidet sich dann, ob die Republikaner die Mehrheit im Kongress behalten. Alles deutet darauf hin, dass Donald Trump dies auf jeden Fall zu sichern sucht und je näher der Termin rückt (bei zugleich für ihn ungünstigen Umfragen im Vorfeld), desto fragiler könnte die Situation werden.

Es besteht also Grund zur Annahme, dass im 2. Quartal der politische Druck hin zur (temporären) Beendigung von Konflikten zunehmen wird. Im 3. Quartal könnten dann die Unwägbarkeiten wieder extrem zunehmen, da die aktuelle US-Regierung sicherlich innen- wie außenpolitisch zu Eskalationen mit dem Ziel eines Machterhalts bereit sein wird.  

Was leiten wir hieraus ab?

 Für die investmentrelevanten Kapitalmarktsegmente ziehen wir daraus die folgenden Schlüsse:

  1. Liquidität ist Trumpf. Einerseits ist eine Risikoreduktion im Gesamtportfolio momentan anzuraten, andererseits können Anleger dann auf Marktverwerfungen schneller reagieren.
  2. Bei Renten/Anleihen sollte sehr sorgsam mit dem Laufzeitenmanagement, der Bonitätstoleranz und des Währungseinflusses umgegangen werden. Bei möglicherweise ansteigenden Marktzinsen, wirken lange Restlaufzeiten negativ. In fragilen Zeiten steigen bei schlechteren Bonitäten die Risikoaufschläge insbesondere. Erhöhte Währungsschwankungen überkompensieren schnell die niedrigen Anleiherenditen. Wir favorisieren daher kurzlaufende EURO-Anleihen im Investmentgrade-Bereich.
  3. Edelmetalle bleiben ein Zufluchtsort in Zeiten rückläufiger Vertrauenswerte gegenüber Staaten, Notenbanken und Währungen. Deren Attraktivität wird in zweierlei Hinsicht momentan abgeschwächt. Zum einen binden die hohen internationalen Kriegskosten Kapital. Dieses (vernichtete) Kapital würde alternativ teilweise in Edelmetallkäufe fließen und deren Preise antreiben. Zusätzlich sinkt die Nachfrage bei industriell benötigtem Edelmetall, wie z. Bsp. Silber. Wir gehen jedoch davon aus, dass dies eine nur vorübergehende Relevanz darstellt und Edelmetalle interessant bleiben.
  4. Aktien bleiben für langfristig orientierte Anleger das Kerninvestment. Als verbrieftes Eigentumsrecht an Unternehmen sind Aktionäre ohnehin in einer solideren Position als Schuldscheininhaber und das trägt in einer unsicheren Zeit. Wir favorisieren momentan Unternehmen mit hoher bilanzieller Substanz, großer Flexibilität im Geschäftsmodell und einer maßgeblichen Preissetzungsmacht aufgrund der Marktposition und der Produktrelevanz. Technologieunternehmen werden trotz der höheren kurzfristigen Volatilität mittel- bis langfristig sehr attraktiv bleiben und sind daher als Kerninvestments in den Portfolien unabdingbar.  

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