Was Stiftungen bei der Vermögensanlage beachten sollten

Die Vermögensanlage von Stiftungen folgt besonderen Regeln. Sie bewegt sich zwischen Kapitalerhalt, Ausschüttungsbedarf und langfristiger Flexibilität. Damit Entscheidungen tragfähig bleiben, müssen Satzung, Gremien und Vermögensverwalter stabil, professionell und zukunftsfähig aufgestellt sein. Der richtige Mix aus Struktur, Unabhängigkeit und Transparenz legt den Grundstein für erfolgreiche Stiftungsarbeit.
Klare Grundsätze für dauerhaftes Handeln
Die Vermögensanlage von Stiftungen ist untrennbar mit dem „magischen Dreieck“ verbunden: Sicherheit, Liquidität und Rendite. Da diese Ziele nie gleichzeitig maximal erreicht werden können, braucht es klare Prioritäten. Gemeinnützige Stiftungen müssen ihr Kapital erhalten, gleichzeitig aber Ausschüttungen erwirtschaften. Zudem ist wichtig, Anlagen bei Bedarf umschichten zu können,
wenn sich Märkte verändern. Den Rahmen legen Satzung und Anlagerichtlinien fest. Sie sollten weit vorausschauend formuliert sein und nicht von kurzfristigen Trends beeinflusst werden. Anlagekategorien dürfen daher weder unnötig eingeschränkt noch von Modeerscheinungen geleitet sein. Gleichzeitig müssen spekulative oder komplexe Produkte ausgeschlossen werden, um Fehlrisiken zu vermeiden. Der Vermögensverwalter benötigt klare Leitplanken – aber auch die notwendige Flexibilität, langfristig sinnvoll zu agieren.

Professionelle Gremien als Stabilitätsfaktor
Eine Stiftung braucht funktionsfähige und fachlich starke Gremien. Neben den Verantwortlichen für den Stiftungszweck sollten auch juristische, steuerliche und finanzielle Expertise vertreten sein. Diese Disziplinen müssen nicht operativ tätig werden, aber als kontrollierende und beratende Instanz zur Verfügung stehen. Ein Fundraiser kann zudem helfen, weitere Mittel einzuwerben. Auch wenn der Vermögensstock auskömmlich ist: Zusätzliche Zuflüsse stärken die Handlungsfähigkeit erheblich.
Strukturierte Auswahlverfahren statt persönlicher Kontakte
Oft entstehen Beraterteams aus privaten Empfehlungen – gut gemeint, aber selten optimal. Für Stiftungen ist eine professionelle, unabhängige Auswahl entscheidend. Bewährt hat sich ein strukturierter Vergleich mit mehreren spezialisierten Vermögensverwaltern. Sie sollen konkrete Anlagekonzepte vorlegen, aus denen klar hervorgeht, welche Instrumente genutzt werden, wie Kosten aufgebaut sind, welche Leistungsbilanz besteht und welche weiteren Dienstleistungen angeboten werden. Dieses „Beauty-Contest“-Verfahren schafft Transparenz und verhindert Fehlanreize. Gleichzeitig erkennt die Stiftung früh, wie gut der Verwalter Stiftungsbedürfnisse versteht.
Produktunabhängigkeit, Kostenklarheit und liquide Anlagen
Besonders sinnvoll sind Anbieter ohne eigene Fondsproduktpalette. Produktunabhängigkeit verhindert Interessenkonflikte und stärkt objektive Entscheidungen. Passiv gemanagte ETFs, Anleihen und Aktien eignen sich gut für langfristige Stiftungsportfolios, weil sie liquide sind, niedrige Kosten haben und jederzeit umgeschichtet werden können. Wichtig ist außerdem eine echte All-in-Gebührenstruktur: keine Depotgebühren, keine Transaktionsentgelte, keine Ausgabeaufschläge. Und: Bestandsprovisionen müssen vollständig an die Stiftung zurückfließen. Nur so bleiben die Kosten planbar – und die Anreize korrekt gesetzt.
Organisatorische Entlastung durch die richtige Struktur
Stiftungen müssen jede Transaktion buchhalterisch erfassen. Bei sehr aktiven Verwaltern kann das schnell zu einer enormen Belastung werden. Einige Anbieter nutzen deshalb Fondsmantel-Strukturen, in denen Transaktionen intern verbucht werden. Das kann sinnvoll sein, erfordert aber eine besonders sorgfältige Prüfung der Kosten. Alternativ können Stiftungen mehrere spezialisierte Stiftungsfonds kombinieren. Entscheidend bleibt: keine versteckten Gebühren, vollständige Rückzahlung von Retrozessionen an die Stiftung und physische Hinterlegung der Werte. Wer in einen DAX-ETF investiert, muss sicher sein, dass die 40 Titel tatsächlich physisch gehalten werden.
Transparenz durch Reporting und enge Zusammenarbeit
Gute Vermögensverwalter bieten nicht nur standardisierte Reports, sondern nehmen auch an Gremiensitzungen teil, beantworten Fragen direkt und erläutern Anlageentscheidungen nachvollziehbar. Idealerweise sind dabei auch Entscheider wie Mitglieder des Anlageausschusses anwesend. Das schafft Vertrauen und ermöglicht fundierte Steuerungsentscheidungen der Stiftung.
Kurz & Knapp
Stiftungen benötigen klare Regeln, professionelle Gremien und einen produktunabhängigen Vermögensverwalter, der transparent arbeitet und liquide, kosteneffiziente Anlagen nutzt. Kapitalerhalt, Ausschüttungsfähigkeit und langfristige Flexibilität lassen sich nur dann dauerhaft in Einklang bringen, wenn Prozesse, Kosten und Strukturen vollständig nachvollziehbar sind.
Dieser Artikel stammt von Thomas Waterstradt, Direktor bei der Berliner Effektenbank, und wurde in Ausgabe 6/2025 des Magazins Stiftung & Sponsoring veröffentlicht.
Begriffe im Überblick
Kapitalerhalt
Gesetzliche Verpflichtung, das Stiftungskapital real und nominal zu sichern.
Fundraiser
Ein Fundraiser sammelt mittels Kampagnen oder Veranstaltungen Mittel, um bspw. gemeinnützige Organisationen finanziell zu unterstützen. Das kann auch mittels digitaler Kanäle oder Crowdfunding geschehen.
Ausschüttung
Eine Ausschüttung ist die Auszahlung von Erträgen, wie Gewinne, Zinsen oder Dividenden, von einem Unternehmen oder Investmentfonds an seine Eigentümer bzw. Anleger.
Kick backs/Retrozessionen
Rückvergütungen von Fondsanbietern.
All-in-Fee
Pauschale Vergütung, die sämtliche Gebühren umfasst – ohne versteckte Zusatzkosten.
Produktunabhängigkeit
Verzicht auf eigene Fondsprodukte, um Interessenkonflikte zu vermeiden.
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